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Seniorenstudium an der Universität Luxemburg

Professor Dr. Massimo Malvetti ist  Sonderbeauftragter für wissenschaftliche Kultur an der Universität Luxemburg. Er ist u.a. Mitbegründer und Hauptverantwortlicher für die Organisation und den Ausbau des Seniorenstudiums an der Uni.lu. Im Interview zieht er Bilanz über die letzten drei Semester und erörtert seine Vision der Zukunft des Seniorenstudiums an der Universität Luxemburg.

MH: Was im Wintersemester 2011 zunächst als Experiment begann, hat sich bereits 2013 zu einer „Success Story“ entwickelt. Kann man diese Behauptung so stehen lassen? Wie sieht rückblickend die Bilanz für 2012 aus? Was sagen die Statistiken?

MM: Die Behauptung kann man eindeutig so stehen lassen! Zu Beginn sind wir ja ein bisschen so in dieses Projekt hineingestolpert: Prof. Robert Theis hat es uns kurz vor seiner Emeritierung auf einem Silbertablett serviert, aber richtig vorbereitet waren wir damals, ich gebe es zu, nicht. Der Erfolg ähnlicher Initiativen im Ausland hätte uns stutzig machen sollen: Die Nachfrage ist wirklich enorm. Im ersten Semester hatten wir gut 100 Teilnehmer im Programm „open@uni.lu“, jetzt im dritten hat sich ihre Anzahl verdoppelt! Obwohl wir jetzt mit Frau Schwirtz eine Person haben, die sich hauptamtlich um die Verwaltung des Programms kümmert, sind noch Schwächen im Ablauf erkennbar. Wir arbeiten daran, jedes Semester besser zu werden.

MH: Ist die Vermischung von jungen Studenten und Senioren-Gasthörern in ein und demselben Hörsaal ein Erfolgsrezept oder gestaltet sich diese Konstellation doch eher als problematisch?

MM:Die Rückmeldungen, die wir von den Dozenten, von den Gasthörern und von den Studierenden haben, sind überwältigend positiv: Die Ausnahmen kann ich an den Fingern einer Hand abzählen. Das Miteinander scheint wirklich gut zu funktionieren, mindestens genauso gut, wie in den Veranstaltungen, in denen keine Gasthörer sitzen. Gasthörer berichten mir immer wieder, dass sie von unseren Studenten ihren Sitzplatz angeboten bekommen (und höflich ablehnen), und ein Professor sagte mir, dass die regulären Studenten auch disziplinierter sind, wenn Gasthörer da sind.

MH: Was gibt’s Neues an Angeboten für die Senioren im Jahr 2013 an der Uni.lu?

MM: Das Programm ändert sich jedes Semester. Die größte Nachfrage ist bei den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, aber wir werden versuchen, das Angebot in den beiden anderen Fakultäten zu erhöhen, auch wenn dort viele Kurse sich für ein allgemeines Publikum weniger eignen. Auch am Katalog und an den Einschreibeverfahren müssen wir noch arbeiten, obwohl ich wirklich positiv überrascht bin, wie gut auch die Senioren unter den Gasthörern mit unserem Internetangebot zurecht kommen!

MH: Wie soll sich das Seniorenstudium, Ihrer Meinung nach, in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

MM: Die Veranstaltungen, die wir anbieten sind ja Teil unseres regulären Studienangebots. Wir werden noch mehr Dozenten überzeugen, ihre Kurse für Gasthörer zu öffnen. Wir werden auch versuchen, unsere Senioren noch mehr als bisher auch für unsere öffentlichen Vortragsreihen zu gewinnen. Und wir müssen uns auch so langsam auf unseren Umzug nach Belval vorbereiten, der ja 2014 als erstes jene Fakultät betrifft, die die meisten Gasthörer hat.

MH: An der Universität Trier gibt es spezifische Kursangebote die allein auf Seniorengasthörer ausgerichtet sind. Denkt die Uni.lu ihre Angebote künftig auch in diese Richtung für Senioren Gasthörer zu erweitern?

MM: Ja, auch wenn das nicht ganz so einfach ist, denn unsere Lehrressourcen sind sehr knapp. Konkret aber denken wir als erstes an eine Einführung in die Philosophie nach, die sich nur an Gasthörer wenden würde. Wenn alles klappt, beginnen wir im nächsten Herbst damit.

MH: Welcher Beitrag kann/soll das Seniorenstudium für die persönliche Weiterentwicklung der Teilnehmer leisten?

MM: Ich denke, dass es vielen Bürgern in Luxemburg erst als Gasthörer klar wird, welch großartige Perspektiven eine Universität im Lande für jeden einzelnen bietet. Es heißt ja lebenslanges Lernen, und nicht etwas arbeitslebenlanges Lernen. Das Ausscheiden aus dem Beruf bedeutet ja nicht, dass man sein Gehirn nur noch zum Lösen von Kreuzworträtseln einschaltet. Die Neugierde zu stillen ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, in jedem Alter: Wir helfen dabei.

MH:  Ihre Vision für das Seniorenstudium in 10 Jahren. Ein Ausblick…

MM: Bis dahin möchte ich ein noch besseres, umfangreicheres Programm mit vielen Begleitveranstaltungen aufgebaut haben, damit ich auch ordentlich etwas davon habe, wenn ich in Rente gehe!

Das Interview führte Dr. Martine Hoffmann