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Lebensqualität für Menschen mit Demenz - für wen?

Vortrag vom 11. Januar 2012

Eine kritische Bestandsaufnahme bestehender Methoden zur Untersuchung von Lebensqualität bei Menschen mit Demenz stand im Mittelpunkt des Vortrags von Christian Müller-Hergl, der am 11. Januar 2012 beim RBS in Itzig stattfand. Provozierend und unterhaltsam verstand es Müller-Hergl, Theologe, Philosoph, Altenpfleger, Supervisor und DCM-Trainer sowie wissenschaftlicher MA an der Uni Witten/Herdecke, das Publikum an die komplexe Thematik heranzuführen.

Als einer seiner Hauptkritikpunkte führte er an, dass Pflege immer mehr „industrialisiert“ werde und oft nur wenig Platz für individuelle Zuwendung und Maßnahmen erlaube. Wichtig sei für Menschen mit Demenz jedoch eine personenzentrierte Zuwendung und ein positives Sich-Einlassen auf deren manchmal eigentümlich anmutenden Lebenswelten.

Auch Konstrukte wie der Begriff „Lebensqualität“ seien meist  ideologisch geprägt und spiegelten eher Werte und Theorien einer jeweiligen "Schule" wider als dass sie sich tatsächlich mit der Situation von Menschen mit Demenz befassten. Neben den üblichen psychometrischen Gütekriterien sollte daher primär darauf geachtet werden, wie das gewählte Instrument implementiert wird und zur tatsächlichen Veränderung in einer Einrichtung beiträgt.

In der internationalen Literatur hat das Ergebnis "Lebensqualität" die Faktoren "Verbesserung der Kognition" und "Abnahme herausfordernden Verhaltens" weitgehend ersetzt bzw. ergänzt. Kaum noch jemand rechnet mit dem "Verschwinden" der Demenz; auch Verhalten lässt sich nur mäßig beeinflussen. Statt dessen soll es Menschen mit Demenz gut gehen. Doch was gut ist, wird häufig auf der Basis von bürgerlichen „Wiederherstellungserwartungen“ seitens der Angehörigen und Mitarbeiter definiert.

Lebensqualität - so hofft man - lässt sich messen und abbilden und ersetzt weitgehend den Begriff der Würde, der sich im modernen Diskurs nicht angemessen "quantifizieren" lässt.

Bei näherem Hinschauen stellt sich allerdings heraus, dass "Lebensqualität" als ein mehrdimensionales, facettenreiches Konstrukt verstanden werden muss. Je nach Theorie und methodischem Ansatz kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse für die gleiche Gruppe zum Tragen. So entsteht der Eindruck: Lebensqualität ist, was man als solche darzustellen versucht.

In vielen Fällen scheint Lebensqualität so konstruiert zu werden, dass die mit ihrer Messung beauftragten Behörden/Institutionen möglichst wenig Irritation erzeugen, sprich: Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, alles ist gut.

Die Powerpoint-Präsentation seines Vortrags finden Sie nebenstehend als Download.