Haarausfall - Nicht nur Männer sind betroffen

Reportage von Jacqueline Orlewski

"Männer  kriegen keine Kinder, Männer kriegen dünnes Haar ...", singt Herbert Grönemeyer in seinem bestbekannten Hit "Männer". Und die meisten von ihnen leben ganz gut  mit ihrer mehr oder weniger ausgeprägten Alopezie, auf gut deutsch Glatze. Schütteres Haar beim Mann ist gesellschaftlich akzeptiert, es trägt, so sagt man, zur Männlichkeit bei.

Frauen dagegen kriegen Kinder ... und auch dünnes Haar. Betroffene wissen, dass Haarausfall bei Frauen eine sehr häufige Erscheinung ist. Meistens handelt es sich um einen erblich bedingten Haarausfall von dem etwa jede fünfte Frau betroffen ist. Anders als bei einer Chemotherapie, bei der in kurzer Zeit alle Haare ausfallen, dünnt das Haar bei einer androgenetischen Alopezie entlang des Scheitels nach und nach aus, sodass die Kopfhaut durchschimmert. Der Haarausfall setzt vielfach erst nach den Wechseljahren ein und schreitet in der Regel nur mässig schnell voran.

Ob krankheitsbedingt oder genetisch - der weibliche Haarausfall kann besonders belastend sein, da er gesellschaftlich weit weniger akzeptiert ist als der männliche. Das Haupthaar ist mit einer gewissen Symbolik verbunden und ist wichtig, weil es entscheidenden Einfluss auf die äussere Erscheinung hat. Mit vollem Haupthaar verbinden wir automatisch Gesundheit und Schönheit. Auf Männer wirkt es oft sexuell anziehend. Darüber hinaus verkaufen Werbespots und Lifestyle-Magazine uns gesundes, volles Haar als Schönheitsideal. Konsequenz: der weltweite Umsatz der Haarpflegemittelindustrie beträgt circa 30 Milliarden Euro – Tendenz steigend.

Welche Ursachen für Haarausfall gibt es und was kann man tun?

Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)

Ursache eines erblich bedingten Haarausfalls ist eine genetisch vorbestimmte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen das männliche Hormon Dihydrotestosteron. Deshalb werden in einer medikamentösen Therapie Produkte eingesetzt, die die Produktion dieses Hormons hemmen.

Für Männer gibt es das verschreibungspflichtige Medikament Propecia. Bei Frauen wird oft auf bestimmte Anti-Babypillen zurückgegriffen –  mit den gleichen Risiken und Nebenwirkungen wie alle Anti-Babypillen: Thrombosegefahr, Belastung für die Leber und Stimmungsschwankungen. Ausserdem müssen Frauen und Männer die Medikamente ein Leben lang nehmen – werden sie abgesetzt, fallen die Haare wieder aus. Es gibt auch Präparate und Lotionen, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Diese haben eine mehr oder mindergroße Wirkung, die mit dem Aussetzen der Therapie in der Regel schwindet.

Bei einer starken Ausdünnung der Haare kann eine Haartransplantation oder der Einsatz von Perücken oder Haarteilen erwogen werden.

Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata)

Die Behandlung des kreisrunden Haarausfalls, bei dem die Haare büschelweise ausfallen und abgegrenzte kahle Stellen entstehen, ist sehr schwierig, da die Ursachen nicht genau bekannt sind. Man vermutet unter anderem Störungen des Immunsystems. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die Einnahme von Zink; sie soll schädliche Immunreaktionen im Bereich der Haarwurzeln mildern können.

Gleichmässiges Ausdünnen der Haare auf dem ganzen Kopf (diffuse Alopezie)

Diffuser Haarausfall ist zunächst eine normale Alterserscheinung. Darüber hinaus kommen sehr viele weitere Ursachen in Frage: Infektionen, Entzündungen der Kopfhaut, Nährstoffmangel (z.B. Eisen, Zink), Schwangerschaft, mechanische Belastung, übertriebene Pflege, Medikamente (z.B. Krebsmedikamente, Medikamente gegen hohen Blutdruck), psychische Ursachen, etc.

Diffuser Haarausfall lässt sich stoppen, wenn die Ursachen dafür gefunden und behoben werden.

Wenn man regelmässig mehr als hundert Haare pro Tag verliert, spricht man von Haarausfall. Bei einem Verdacht auf Haarausfall sollte man auf jeden Fall die Ursache von einem Arzt abklären lassen, und auch nur Therapien anwenden, die vom Arzt verordnet wurden. Denn auf dem Gebiet der Haarmittelindustrie gibt noch immer unseriöse Firmen, die Produkte anpreisen deren Wirkung nicht erwiesen ist. Der Hersteller hat das Geld – und der Patient das Nachsehen.

Männliche Eitelkeit

Schon Julius Cäesar litt angeblich unter seinem sich lichtenden Haar.

Ein Sonderbeschluss des Senats erlaubte es ihm, den Siegeskranz aus Lorbeeren, den er für seine Siege als Feldherr erhalten hatte, zu tragen, wann immer er es wünschte. So konnte er sein Haar nach vorne über die kahle Stelle kämmen und es mit dem Kranz fixieren.

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